Gift-Lattich (Lactuca virosa)

• Ursprung: Südeuropa, Nordafrika, Vorderasien.
• Verbreitung: Um 1847 wurde die Pflanze im Moselgebiet großflächig angebaut, und das gewonnene Lactucarium von Zell über England in die USA verschifft. Auch in anderen europäischen Ländern gab es zu dieser Zeit einen Anstieg des Anbaus von Giftlattich.
• Namen: Wilder Lattich, Stinksalat, Opium-Lattich
• Wirkstoffe: Bitterstoffe (Lactucin, Lactucopicrin) im weißen Milchsaft.
• Historie: Gift-Lattich wurde seit dem Altertum als Heilpflanze verwendet. Zunächst im Mittelmeerraum, später auch in anderen Regionen, war seine angeblich beruhigende, harntreibende Wirkung geschätzt. Hippokrates beispielsweise schrieb 430 v. Chr. über die unterschiedlichen Vorzüge des wilden Lattichs und des Kopfsalats. Der römische landwirtschaftliche Schriftsteller Columella beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. vier Lattich-/Salatsorten, und Plinius der Ältere wenige Jahrzehnte nach ihm deren neun.

Gift-Lattich
Gift-Lattich (Lactuca virosa)

• Fortsetzung Historie : In den folgenden Jahrhunderten geriet sie in Vergessenheit, auf ihren Wert als Opiumersatz machte erst der Wiener Arzt H. J. Collin 1771 wieder aufmerksam. Das Lactucarium spielte bis zur Entdeckung des Chloroforms bei Operationen eine große Rolle. In der Auvergne wurde die Lactucarium-Gewinnung durch den Apotheker Aubergier 1841 und in Zell an der Mosel durch den Apotheker Alois Goeris bekannt. Eine überraschende Wiederentdeckung feierte die Pflanze in den 1970er-Jahren, als ihre Wirkung in Hippiekreisen der USA bekannt wurde. Eine deutsche Firma entwickelte daraufhin ein Präparat auf Basis von Lactucarium und brachte die Droge werbewirksam auf den Markt. Da die Zubereitung aber nicht optimal war und nur schwach wirkte, beruhigte sich das Thema in der Öffentlichkeit sehr schnell wieder.
• Heute: Kaum noch medizinisch genutzt, gilt als Giftpflanze. Allerdings wird er auch wieder mehr verordnet. Er wirkt schmerzstillend und beruhigend, vorwiegend bei chronischen Schleimhautkatarrhen mit Neigung zu Spasmen. Herba Lactucae virosae ist offizinell in Portugal und Venezuela.

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