Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)

• Ursprung und Verbreitung: Der Rote Fingerhut ist in Westeuropa sowie dem westlichen Süd-, Mittel- und Nordeuropa und in Marokko beheimatet. In Nord- und Südamerika ist er gebietsweise eingeschleppt. In Deutschland hat er sein natürliches Verbreitungsgebiet bis zum Harz und dem Thüringer Wald, tritt aber verwildert heute im ganzen Land auf. Häufig auf Waldlichtungen, Kahlschlägen und an Waldrändern; liebt kalkarme, saure Böden.
• Namen: Fingerkraut, Fuchskraut, Schwulstkraut, Unserer-lieben-Frauen-Handschuh, Waldglöckchen, Waldschelle, Totenglocke.
• Wirkstoffe: Herzwirksame Digitalis-Glykoside (v. a. Digitoxin und Digoxin). Herzglykoside regen den geschwächten Herzmuskel an, sich wieder stärker zusammenzuziehen.
• Vorsicht Giftpflanze: Alle Pflanzenteile des Roten Fingerhutes sind hochgiftig. Bereits der Verzehr von zwei bis drei Fingerhutblättern kann tödlich enden. Aufgrund des bitteren Geschmacks kommt es allerdings selten dazu. Iatrogene (= durch ärztliche Maßnahmen hervorgerufene) Vergiftungen können im Rahmen einer Therapie vorkommen, da die Wirkungsbreite der Digitalisglykoside gering ist. Die ersten Anzeichen einer Vergiftung sind Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindelanfälle und ein Sinken der Pulsfrequenz unter 50 Schläge pro Minute.
• Als Heilmittel: Unverzichtbarer Rohstoff für hochwirksame Herzmedikamente (stärkt die Schlagkraft des Herzens).

Roter Fingerhut
Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)

• Verbreitung: Seit dem 16. Jahrhundert wird er in den gemäßigten Breiten als Zierpflanze in Parks und Gärten verwendet. Der Rote Fingerhut breitet sich als invasive Pflanze in gemäßigten Zonen und höheren Berglagen in Mittel- und Südamerika aus. Dort wird die Art auch durch Höschenkolibris (Eriocnemis) und Rückstrahlerkolibris (Aglaeactis) bestäubt.
• Blüten wie Kelche: Die Blüten sind perfekt an Hummeln angepasst. Die Insekten krabbeln tief in die Blütenröhre hinein, um an den Nektar zu gelangen, und streifen dabei den Pollen ab.
• Besonderes: Als Pionierpflanze besiedelt der Rote Fingerhut die Kalamitätsflächen und schützt somit mit seinen Blättern und Wurzelwerk (bildet eine Pfahlwurzel aus) den Boden vor Austrocknung (Witterungsextreme); in Hanglagen beugt er der Erosion vor. Er bindet freigesetzte Nährstoffe, die durch die Mineralisierung der Humusschicht freigesetzt werden und fördert somit als typische Pionierpflanze die Bodenentwicklung und bereitet Flächen für nachfolgende Pflanzenarten vor. In den Blättern werden Kalium, Eisen, Kalzium, Kieselerde sowie Magnesium gespeichert.

Pflanzen Gallerie

... Magniole
... Knospe
... Glanzmispel
... Kuhschelle
... Mahonia repens
... Kleines Immergrün

Mehr Pflanzen am Wegesrand